Beschreibung
In diesem Buch wird unser heimischer Zwerg in seinen verschiedensten Wirkgestalten als Hojemännle oder Kobold, Baumgeist und Hauszwerg, Korndämon und Ackerzwerg, Musiker, Gräber und Schmied, als Traumgestalt wie auch als Entführer (oder Hinwegführer?) von Frauen und Kindern bis hin zu seinem Abzug aus der Welt der Menschen beleuchtet.
Der Gymnasiallehrer und Heimatkundler Josef Rühfel schreibt in seinem Vorwort und Schlußwort:
„Das Buch ist ebenso für den Fachmann wie für jeden Deutschen bestimmt, der an unserem Volkstum Freude hat. Vorliegende Arbeit bildet ein Seitenstück zu meiner Schrift über die drei Nornen, die 1920 im gleichen Verlag erschien. Die Werke, denen ich Sagen und Sagenstücke entnahm, finden sich im Quellenverzeichnis. Von Anmerkungen und Hinweisen mußte ich aus inneren und äußeren Gründen absehen; ebenso von der Erweiterung des Abschnitts „Vorgeschichtliches und Geschichtliches im Zwerg“, obschon die Ergebnisse der Urgeschichte, der Anthropologie und Ethnographie manche Sagenzüge erklären könnten. So findet sich der stumme Handel heute noch bei den Weddas auf Ceylon und den Steinzeitvölkerschaften der Südseeinseln, Afrikas und Zentralbrasiliens, ähnlich wie in der Sage vom zwergischen Grinkenschmied.
Ich habe mich größtenteils an die Volkssagen gehalten, weil sie die freiesten und wildesten Gewächse des germanischen Bodens sind und am wenigsten verbildet worden sind. Die Kunstdichtungen wollte ich nicht hereinziehen, obwohl sie viele alte Züge enthalten. Der Zwerg der mittelalterlichen Dichtungen ist von August Lütjens bearbeitet worden, freilich fast ohne Berücksichtigung seiner Herkunft und der Verbindungen mit anderen Geistern. Eine schöne Arbeit böte die Darstellung der Elfen in den Literaturen Dänemarks, Schwedens, Norwegens, Irlands und vor allem Englands, denn Keigthleys Aufzählung englischer Dichter und nordischer Balladen, die von Elfen erzählen, genügt schon lange nicht mehr.
Oft genug ist darauf hingewiesen worden, daß in unserer Mythologie die Trümmer einer untergegangenen Religion enthalten seien. Der Mythologe könnte wichtige Beiträge zur Geschichte des Animismus und des Pantheismus, zur Entwicklung des Polytheismus zum Monotheismus, überhaupt zur Geschichte der Religion und zur Entwicklung des Gottesbegriffes bringen, wird sie auch noch bringen müssen.
Das Märchen enthält viele Sagenzüge und wirft auch auf das Wesen des Zwergs und der Elfen überhaupt manches Licht. Freilich müssen die echten Zwerge und Kleingeister von denen geschieden werden, die aus der spielenden Laune des Erzählers entstanden sind. Der Anfang des finnischen Märchens von der Brautfahrt des Schmiedes Ilmarinen lautet:
Der Schmied Ilmarinen, der unsterbliche Meister, arbeitete in seiner Schmiede, tat das Eisen in die Esse und bewegte den Blasebalg. Da trat ein Weiblein an die Schwelle der Schmiede — klein war das Weiblein, so klein war sie, groß war das Weiblein, so groß war sie, — das sagte: Ei, Schmied Ilmarinen, wüßtest du die Kunde, die ich dir bringe, du tätest nicht das Eisen in die Esse! Darauf antwortete der Schmied Ilmarinen: Kleines Weiblein, du winziges, großes Weiblein, du riesiges…
Hier plaudert das Märchen mit seinem lächelnden Kindermund das Geheimnis aus, wie manche Riesen, Zwerge und Däumlinge in die Geschichten gekommen, nämlich einfach aus der Freude an Gegensätzen und aus dem Hang, das Gegebene ins Kleinste und ins Größte zu übertreiben.
Im allgemeinen … ist der Zwerg in der Kunst recht nebensächlich behandelt worden und ist nicht höher gediehen als zu den Bildern Eduard Steinles und Hermann Vogels. Im Grund genommen gibt es nur einen Mythologen unter den Künstlern, und dieser ist Böcklin. Zu ihm und zum gründlichen Studium germanischer Mythologie müßte sich der Künstler wenden, der aus dem Zwerg etwas anderes schaffen wollte als durcheinanderpurzelnde kleine Männchen mit langen Bärten, Kapuzen und Zipfelkappen. Böcklins Froschkönig erinnert an den Kielkropf und das Seemännchen der Sage, sein Bild der Pest trägt die Züge der todbringenden Dämonen, und aus seinen Gefilden der Seligen, seinen Hainen und Auen atmet der Blumenduft und das tzarfenspiel des Elfenreichs.“
Meine Ablichtung ist wie gewohnt farbig, in 300 dpi Auflösung und mit Texterkennung. So kann das Buch mit seinen 177 Seiten durchsucht und Textstellen kopiert werden. Mit den 7 Talern wird ausschließlich mein Arbeitsaufwand für Ablichtung und Bearbeitung entlohnt.
Josef Rühfel lebte von 1878 bis 1956. Beide heimatkundigen Bücher von ihm, „Der Zwerg“ und „Die Nornen“, werden somit ab dem 1.1.2027 gemeinfrei. Der Aurora Verlag bestand laut sächsischem Staatsarchiv bis 1932, meines Wissens ohne Rechtsnachfolger.
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