Beschreibung
Am Ostabhang des Teutoburger Waldes, gerade in der Knickstelle, die ihn vom Eggegebirge trennt, nur wenige tausend Meter von der Stadt Horn entfernt, steht, abseits vom Tageslärm, eine Reihe sonderbarer, vom Hauch des Geheimnisses umgebener Felsen: die Externsteine oder Eggesternsteine, wie ihr alter Name lautet.
Die Externstein-Forschung war mehr als hundert Jahre eine Sache allein der gelehrten Welt. Dann rückte sie unversehens in den Meinungsstreit einer breiten Öffentlichkeit, als in der Zeit zwischen den Kriegen Wilhelm Teudt die Ansicht vertrat, jene Felsengruppe im Lande Lippe sei das Irminsul-Heiligtum, mit dessen Zerstörung Karl der Große die Unterwerfung des Sachsenlandes einleitete. Zu dieser Theorie äußerte sich anfänglich nur die Wissenschaft, beistimmend hier, abwartend oder ablehnend dort. Dann aber mehrten sich die verneinenden Stimmen, die namentlich in kirchlichen Kreisen laut wurden und Teudts Annahmen schroff verwarfen, so weit sie ihm nicht sogar unwissenschaftliche Methoden christentumsfeindlicher Tendenz nachsagten.
Die Ausgrabungen der Jahre 1934/35 dämpften solche Äußerungen, machten sie aber nicht verstummen. Denn wenn man nun auch öffentlich zugestand, daß ein einstiges germanisches Heiligtum am Externsteine durchaus im Bereiche des Möglichen läge, so verdächtigte man doch im Stillen das Ganze als nationalsozialistische Kulturpropaganda.
In den Wirren des Kriegs verscholl dann der Grabungsbericht, und nach 1945 beseitigten unbekannte Hände, was die Ausgräber ans Licht gehoben hatten.
Diese einleitenden Worte stammen aus den Klappentexten von Freerk Haye Hamkens beiden Büchern Der Externstein. Seine Geschichte und seine Bedeutung (1971) und Der Externstein. Wege und Irrwege der Forschung (2000).
Freerk Haye Hamkens befaßte sich seit dem Ende der 1920er Jahre mit dem Externstein-Thema und war in dieser Zeit mit Unterbrechungen als Assistent von Wilhelm Teudt in Detmold tätig. 1934 arbeitete er als Photograph für Professor Julius Andree im Rahmen des ersten Abschnittes der großen Ausgrabung. Sein Erfahrungsfundus ist so für uns Heutige von besonderer Bedeutung.
Hören wir nun Wilhelm Teudts eigene einleitende Worte:
In steigendem Maße wendet das erwachte deutsche Volk seine Aufmerksamkeit der germanischen Vorgeschichte zu, deren Aufgabe es ist, den über Werk und Wesen unserer Vorfahren gezogenen Schleier hinwegzuziehen. Reichen Aufschluß über ein hochausgebildetes Kunstgewerbe und über die sonstige äußere Kultur hat uns die Spatenwissenschaft durch die Bodenfunde aus Gräbern, Siedlungsresten und Ringwällen gebracht. Auf unser Gemüt, unser Urteil und unser Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Ahnen ist es noch eindrücklicher, wenn wir in der deutschen Landschaft die Zeugnisse ihres Schaffens und ihres Geisteslebens auffinden.
Ein hervorragender und in mancher Hinsicht einzig dastehender Ort der Erinnerung sind die Externsteine. Ihre ursprüngliche Bedeutung ist zu keiner Zeit ganz vergessen gewesen. Mannigfache Veränderungen sind in den 1150 Jahren seit der Eroberung des alten Sachsenlandes durch den Westfrankenkönig Karl, nachherigen Kaiser Karl, vor sich gegangen. Durch Umwandlung zweier alter Kulträume in christliche Kapellen, durch Verwertung des Felsensarges als Grab Christi und vor allem durch Schaffung des mit Recht hochberühmten, gewaltigen Steinbildes der Kreuzesabnahme wurden die Externsteine zu einer Stätte christlicher Gottesverehrung gemacht. Was an den alten Glauben erinnerte und nicht verwertet werden konnte, ist nach Möglichkeit beseitigt. Aber trotzdem sind die Externsteine nicht nur im allgemeinen, sondern bis in viele Einzelheiten hinein wiederzuerkennen als die Stätte des obersten gemeinsamen Heiligtums des alten Sachsenbundes, gegen welches sich Karl sogleich im ersten Jahre des 32 jährigen Krieges (772) wandte, als er die Eresburg (Obermarsberg an der Diemel) erobert hatte und über Altenbeken nordwärts zur Weser zog.
Unveränderter Nachdruck des Abschnittes „Die Externsteine“ aus Wilhelm Teudts Hauptwerk „Germanische Heiligtümer“ von 1936 in 4. Auflage, die ich als Langfassung bezeichnet habe.
84 Seiten mit 46 Abbildungen, vollständig in Farbe. Mit Wilhelm Teudts Karte der Heiligthümer im Teutoburgerwald und Umgebung und zwei Vergrößerungen. Als eBuch im PDF-Format; zum Selbstausdrucken geeignet. Abgelichtet und neu herausgegeben vom Roland Verlag.




















