Beschreibung
Am 12. September 1772 kam es in einem Dörfchen nördlich von Göttingen zu einem denkwürdigen Ereignis. Sechs Göttinger Studenten und Freunde der Dichtkunst hatten einen Spaziergang unternommen und sich nach Genuß einer Dickmilch von der abendlichen Stimmung überwältigen lassen. In einem Eichenhain angekommen, schworen sie sich ewige Freundschaft – in einem aus Herz und Seele geflossenen Brauch der Altvorderen. Ein Brauch, der aus altheidnischer Bardenzeit fast vergessen schien, den sie an jenem Abend wiederaufleben ließen und fortan jährlich begingen. Das Dörfchen hieß Weende, und sein Name sollte wegweisend sein für die Zeitenwende, die dieses Gründungsereignis in Gang brachte.
Nach ihrer Gründung als Freundschafts- und Dichterbund Fortan sie sich fortan Sonnabends und huldigten mit ihren Gedichten der Muse, dem Vaterland und ihren Vorbildern. Ihre Geschichte erinnert an den Film Der Club der toten Dichter, nur daß sie noch mitreißender und über 200 Jahre älter ist.
Diese geschichtsträchtige Gründung des Göttinger Hainbundes ist in einem Brief von Johann Heinrich Voß an seinen Freund Ernst Brückner festgehalten:
»Ach den 12. September, mein lieber Freund, da hätten Sie hier sein sollen. Die beiden Millers, Hahn, Hölty, Wehrs und ich gingen noch des Abends nach einem nahegelegenen Dorfe. Der Abend war außerordentlich heiter, und der Mond voll. Wir überließen uns ganz den Empfindungen der schönen Natur. Wir aßen in einer Bauerhütte eine Milch, und begaben uns darauf ins freie Feld. Hier fanden wir einen kleinen Eichengrund, und sogleich fiel uns allen ein, den Bund der Freundschaft unter diesen heiligen Bäumen zu schwören. Wir umkränzten die Hüte mit Eichenlaub, legten sie unter den Baum, und faßten uns alle bey den Händen, und tanzten so um den eingeschloßenen Stamm herum; riefen den Mond und die Sterne zu Zeugen unsers Bundes an, und versprachen uns eine ewige Freundschaft. Dann verbündeten wir uns, die größte Aufrichtigkeit in unsern Urtheilen gegen einander zu beobachten, und zu diesem Endzwecke die schon gewöhnliche Versammlung noch genauer und feierlicher zu halten. Ich ward durchs Loos zum Ältesten erwählt. Jeder soll Gedichte auf diesen Abend machen, und ihn jährlich begehn.«
Ebuch als PDF mit 52 Seiten. Dieser Beitrag erzählt zum ersten Mal ihre Gründungsgeschichte im Verbund mit ihren acht Gründungsgedichten aus ihrem Bundesbuch, wovon eines bis heute verschollen ist. Das Bundesbuch wurde erst 2006 gedruckt – ein Schelm, wer dabei Böses denkt!















